Kategorie: Libanon News
Von: Klaus-Peter Marquaß
Libanon News
Neues aus dem Libanon Nr. 38 - Oktober/November 2010
Julia Finlay erhält Auszeichnung zu Ehren ihres Mannes für seinen aufopferungsvollen Dienst für den Libanon

Finlay Graham

Finlay Graham mit seinen Studenten
Liebe Geschwister in unseren bayerischen Gemeinden,
was aus der Vision einer kleinen Gruppe von Menschen werden kann, konnten unsere libanesischen Geschwister im Sommer in eindrücklicher Weise erleben: Sie feierten das fünfzigjährige Bestehen des Arabisch-Baptistischen Theologischen Seminars (ABTS) in Beirut, das 1960 offiziell gegründet worden war.
400 Gäste, Freunde und Missionspartner aus dem Libanon und dem Ausland nahmen an der Feier teil. Neben der Witwe des Seminargründers, Julia Graham (USA), waren auch Vertreter des Staatspräsidenten, des Premierministers sowie des Parlamentspräsidenten bei dem Festakt zugegen.
Der frühere Präsident des Seminars, Ghassan Khalaf, gab einen kurzen Überblick über die Geschichte der Baptisten im Libanon und erinnerte an die enorme Einsatzbereitschaft der Missionare, die den Grundstein für die Arbeit des ABTS gelegt hatten.
Nabil Costa, Leiter der Lebanese Society for Educational und Social Development (LSESD; Gesellschaft für Bildung und soziale Entwicklung) wies auf die wichtige Rolle hin, die das Seminar auch in Zukunft spielen wird bei der Ausbildung und Ausrüstung von Pastoren und leitenden Gemeindemitarbeitern im Nahen Osten und in Nordafrika. Der Libanon ist das einzige Land in der arabisch-islamischen Welt, wo es Muslimen, die Christen geworden sind, möglich ist, Theologie zu studieren. Elie Haddad, der jetzige Präsident des Seminars, ergänzte: „Es ist unser Gebet, dass uns der Herr Kraft und Treue gebe, damit wir der Berufung und den Herausforderungen, in die wir hineingestellt sind, gerecht werden können.“
Während der Feierstunde verlieh der Vertreter des libanesischen Präsidenten Julia Graham eine Auszeichnung des Präsidenten zu Ehren und in Erinnerung an den aufopferungsvollen Dienst ihres Mannes für den Libanon. Ghassan Khalaf überreichte ihr sein neues Buch mit dem Titel „Die Kunst des Predigens“, das er ebenfalls dem Andenken an seinen früheren Lehrer Finlay Graham gewidmet hatte.
Hätte man Graham und Julia Finlay angesichts der bescheidenen Anfänge damals gesagt, was sich einmal daraus entwickeln wird - vielleicht hätten sie es kaum glauben können. 2004 sagte Julia Finlay im Rückblick auf die Arbeit, die durch ihren Mann und sie begann: „Der Dienst wurde in einer bemerkenswerten Weise fortgesetzt. Der Herr hat viel Segen gegeben - und es berührt unsere Herzen zu sehen, wie gut das Werk gewachsen ist und wie der Herr die libanesischen Baptisten segnet.“
Schaut man sich heute das großzügige Gelände und die ABTS-Gebäude in Mansourieh - einem Ort am Ostrand von Beirut - an, dann kann man sich kaum mehr vorstellen, wie dürftig die Anfänge einmal aussahen: Im Oktober 1953 begannen drei junge Libanesen sich zwei Mal wöchentlich am Esszimmertisch von Finlays zu treffen, um theologischen Unterricht zu erhalten. 1954 kamen vier weitere Studenten hinzu, einer von ihnen aus Jordanien.
Im Sommer 1960 wurde das ABTS dann offiziell gegründet und ab Herbst fand der Unterricht in angemieteten Räumen in Beirut statt, bevor das Seminar ein Jahr später nach Mansourieh umzog. Die Studenten kamen mittlerweile aus Jordanien, Ägypten und dem Libanon. Im Laufe der Jahrzehnte weitete sich die Arbeit immer mehr aus. Heute kommen Studenten aus nahezu allen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens. Die Spuren des Wirkens unserer Geschwister reichen damit in die gesamte arabisch-sprechende Welt. In den letzten 50 Jahren wurden über 200 Studenten am ABTS ausgebildet.
Man kann es nur als ein Wunder Gottes bezeichnen, dass es diese Ausbildungsmöglichkeit für Pastoren und Gemeindemitarbeiter in der arabischen Welt gibt. Treffend resümierte Seminarpräsident Elie Haddad: „Der 50. Jahrestag von ABTS ist eine würdiger Anlass, Gottes Werk zu feiern. Wir betrachten diesen Festtag als Dankgottesdienst und geben Zeugnis von dem, was der Herr getan hat.“

