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Dienstag, 10. August 10 um 10:00 Alter: 1 Jahr(e)
Kategorie: Libanon News
Von: Klaus-Peter Marquaß

Libanon News

Neues aus dem Libanon Nr. 37 - August/September 2010

 

Liebe Geschwister in unseren bayerischen Gemeinden,

wir schätzen die Arbeit unseres Gemeindejugendwerks und seiner Mitarbeiter und haben in unseren Gemeinden schon verschiedentlich erlebt, wie viel Segen davon ausgeht. Während ich diese Zeilen schreibe, haben die Sommerferien begonnen und die GJW-Freizeiten sind angelaufen - Wochen, die prägende Eindrücke bei Teilnehmern hinterlassen. So mancher kann von Erfahrungen mit Jesus während der Freizeiten berichten; einige verbinden ihre Bekehrung oder Taufentscheidung mit Erlebnissen während eines Camps.

In der Arbeit unserer libanesischen Geschwister sieht das nicht anders aus, allerdings hat sich ihr Augenmerk in diesem Jahr verstärkt auf Kinder aus sehr bedürftigen Verhältnissen gerichtet. Der Einsatz für sie ist anstrengend und herausfordernd, wie der Bericht von Gladys Haddad zeigt - aber er lohnt jede Mühe, vor allem, wenn Mitarbeiter miterleben dürfen, dass etwas von der Liebe Gottes in den Herzen der Kinder ankommt.

Es ist sehr bewegend, was Gladys über die Freizeit für Kinder aus bedürftigen Verhältnissen berichtet:

„‚Es ist vollbracht!’ rief unser Herr und Heiland, Jesus Christus, am Kreuz aus. Der Krieg ist vorbei und Christus hat ein für alle Mal den Sieg davon getragen. Wer das glaubt und sich daran festhält, hat Teil an Seinem Sieg.

Das war die Botschaft, die wir den 43 Kinder dieses - für uns - besonders herausfordernden Camps weitergeben wollten: Der König aller Zeiten hat auch für sie alle Kämpfe ausgetragen und sie dürfen Seinen Sieg in Anspruch nehmen. Wir wollten ihnen zeigen, wie sie frei werden und den Namen Jesu preisen können: frei vom Leiden (an inneren Verletzungen), vom Missbrauch (den sie erlitten haben), von den Schwierigkeiten und dem Hass, den sie ertragen mussten. Sie waren innerlich und äußerlich verletzt, einige waren missbraucht oder im Stich gelassen worden, niemand hatte sich um ihre grundlegenden Bedürfnisse als Kinder gekümmert. Wir wollten ihnen Gottes Liebe zeigen, die ihnen uneingeschränkt gilt - durch jedes Wort, jede Tat und jede Aktivität während dieser Freizeit.

Die Kinder, die am Camp teilnahmen, kamen entweder aus dem Waisenhaus „Haus der Hoffnung” oder waren Beduinenkinder. Die Zusammensetzung aus diesen beiden Hintergründen war herausfordernd für uns, aber die Mühe hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Als wir am Ende die von tiefstem Herzen kommenden Gebete der Kinder hörten, wie sie Gott dankten für die Möglichkeit, an dieser Freizeit teilnehmen zu können, standen uns Mitarbeitern die Tränen in den Augen.

Die persönliche Geschichte jedes einzelnen Kindes ist herzzerreißend; man findet keine Worte, um die Schrecken zu beschreiben, die sie durchlebt haben. Wir haben uns bemüht, ihnen in den Tagen so viel Liebe zu geben, wie wir nur konnten, um ein kleines bisschen auszugleichen. Sie haben bereits in ihren jungen Jahren soviel durchlitten - sie kannten kaum so elementare Alltagsdinge wie die Benutzung eines Bads und waren nicht in der Lage, einfach zu spielen. Während der Mahlzeiten aßen sie, als ob sie niemals zuvor im Leben Essen gesehen hatten.

Wie auf jeder Freizeit erzählten die Mitarbeiter Geschichten von Jesus und brachten ihnen christliche Lieder bei. Auf dem Programm standen ferner Basteln und verschiedene andere Aktivitäten, die von den Mitarbeitern der BCYM (Baptist Children and Youth Ministry; Bapt. Kinder- und Jugendarbeit) und neun freiwilligen Helfern der First Baptist Church Atlanta (USA) vorbereitet worden waren. An den Abenden gab es Unterhaltungsprogramme, unter anderem mit einer Vorführung des neu gegründeten libanesischen Puppenspiel-Teams. Die Kinder waren begeistert.

Freizeiten wie diese sind etwas ganz Besonderes für Kinder aus solchen Verhältnissen. Sie haben überhaupt nichts, was ihr Leben lebenswert macht; sie wissen nicht, was Liebe, Freude oder Spaß ist - ja, sie können nicht einmal nur Kind sein ohne Sorgen und Ängste. Einige von ihnen haben keine Eltern, andere haben kein Zuhause, wieder andere überhaupt kein einziges Spielzeug. Einige von ihnen besitzen nur die Kleidungsstücke, die sie tragen. Sie haben sich über die einfachsten Dinge gefreut und wenn wir ihnen etwas mitgeben konnten, dann war es die Liebe Christi und das Wissen, dass es einen großen und mächtigen Gott gibt, der sie liebt und sich mehr um sie kümmert, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen vorstellen können. Sie wissen, dass sie bei Ihm sicher und geliebt sind und frei… Der Kampf ist - auch für sie - gewonnen!

Die Geschichte von Nur: Erschütternd ist die Geschichte der kleinen Nur (auf Deutsch: Licht), 9 Jahre alt. Sie war von zu Hause weggelaufen, wo sie von ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer Großmutter missbraucht worden war. Drei Tage, nachdem sie weggelaufen war, hatte man sie aufgegriffen und in das Waisenhaus „Haus der Hoffnung” gebracht. Es war der einzige Ort, wo man überhaupt bereit war, Nur aufzunehmen. Sie litt unter extremsten Schlafstörungen. Drei Wochen war sie im Waisenhaus gewesen, bevor sie an unserer Freizeit teilnahm. Nachts bekam sie immer wieder hysterische Panikattacken; sie fürchtete sich vor der Nacht und vor dem Schlafen. In dieser Situation war die Anwesenheit von Dr. Sarai Padilla, einer Psychologin aus der Gemeinde in Atlanta äußerst hilfreich für uns. Sie unterstützte uns sehr darin, Nur zu beruhigen und zu trösten; es gelang uns jedoch nicht, sie zum Einschlafen zu bringen. Vom Waisenhaus erfuhren wir später, sie hätte immer noch heftige Schlafprobleme, aber sie sei nach der Freizeit etwas ruhiger geworden und war sogar einverstanden, an weiteren Aktivitäten und Freizeiten von BCYM teilzunehmen.”

Diesen wichtigen, wachsenden Arbeitszweig unserer Geschwister können wir mit unseren Gebeten und Spenden unterstützen - vielleicht ja auch eines Tages mit einem kleinen Helferteam aus Bayern (für uns ist die Anreise nicht einmal halb so weit wie für die Geschwister aus Atlanta).


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