Wort zum Monat August
Gedanken zur Bibelstelle Johannes 8,15
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen. (Johannes 8,15)
Liebe Leser,
das ist doch Unsinn, was die da machen. Also wirklich!
Der hat aber schräge Ansichten! Der tickt nicht richtig, da kann man ja nur
den Kopf schütteln.
So ist es Jesus damals widerfahren.
Natürlich, was er da gesagt hatte, war nicht ganz ohne: ´Ich bin das Licht
der Welt !`- ein unglaublicher Anspruch. Deshalb war die Reaktion der
Pharisäer ganz natürlich: Was für ein Unsinn! Das war für sie ganz klar. Ihre
Meinung war endgültig und ihre Ablehnung Jesu ebenso.
Und wie viele Menschen tun es ihnen gleich. Sie fällen ihr Urteil über
Glaube und Kirche aufgrund dessen, was sie in diesen Monaten in den
Zeitungen lesen und mitbekommen: Das ist doch alles Unsinn, was da in
der Kirche erzählt wird. Wertvorstellungen und Moral? Das ist doch alles
scheinheilig. Damit wollen wir nichts zu tun haben.
Und man kann den Menschen solche Reaktionen nicht einmal verdenken.
Aber halt – Jesus spricht in unserem Vers ja nicht zu säkularisierten glaubensfernen Menschen, sondern ausgerechnet zu denen, die für Glaube
und Frömmigkeit standen. Zu denen, die nach Gottes Willen und Gesetz
leben wollten und denen es ernst um ihren Glauben war. Sie hatten ihr Urteil
über Jesus gefällt. Und ausgerechnet ihnen muss er es nun ins
Stammbuch schreiben: Liebe Leute, ihr habt einen hohen Anspruch an eure
Frömmigkeit, aber ihr urteilt leider nur allzu menschlich. Wörtlich steht
hier im Text: nach dem Fleisch. Das heißt: In eurem Urteil lasst ihr euch
nicht vom Geist Gottes leiten, sondern von dem, was ihr mit euren Augen
seht und was sich da in eurem Menschsein so regt an negativen Gefühlen,
Neid und Eifersucht, Machtgelüsten und Rechthaberei. Die Kriterien eures
Urteilens bringen es mit sich, dass ihr kräftig daneben liegt. Ihr urteilt, wie
Menschen urteilen.
Ganz fremd ist uns das beim zweiten Hinsehen vermutlich ja nicht:
Wir leben ja auch mit dem Anspruch an uns, unser Leben nach Gottes Willen
zu gestalten und als Christen Vorbilder zu sein und denken dann vielleicht,
es ist ja im Großen und Ganzen alles in Ordnung, weil wir manche
Schweinereien nicht mitmachen, und dann regen wir uns schnell auf über
die Unmoral der Menschen oder auch über manche ´schlechte` Christen,
die es nicht so ernst nehmen mit dem Glauben, gar das Evangelium verwässern
und merken gar nicht, wie das Wort Jesu auch uns treffen könnte:
Ihr urteilt, wie Menschen urteilen! Ihr fällt Urteile über andere Christen und
ihren Glauben, ihre Ethik und ihre Hingabe und lasst euch dabei leiten
vom äußeren Schein, kennt die Leute oft gar nicht richtig, habt mit ihnen
noch nie wirklich gesprochen, sondern nehmt nur wahr, was an der Oberfläche
sichtbar ist.
Ihr urteilt, wie Menschen urteilen. So fragt uns unser Monatsspruch und
gibt uns das zum Nachdenken in den neuen Monat mit: Wie rede und denke
ich über andere Christen und Mitmenschen? Und: Wie treffen wir Entscheidungen im Alltag, Entscheidungen über den Kurs der Gemeinde,
über die persönliche Mitarbeit? Tun wir das, wie Menschen das eben tun,
oder sind wir im intensiven Gespräch mit Jesus und seinem Geist, um auf
seine Gedanken und Impulse zu achten, die uns vielleicht zu einem anderen
Urteil und zu einer anderen Entscheidung führen?
Jesus macht deutlich: Er enthält sich allen vordergründigen menschlichen
Urteilens. Er fällt sein Urteil auf einer anderen Ebene – nämlich aus dem
Geist Gottes heraus. Aber – und das ist der große Ausblick, mit dem unser
Monatsvers endet: Jesus ist gar nicht gekommen, um zu urteilen, sondern
um Menschen zu retten. Leitmotiv in allem Denken, Reden und Handeln
Jesu ist das Retten! Das ist der tragende Wert Jesu. Das macht seine
Sendung aus. Und in diese Sendung möchte er uns hinein nehmen. Und
so soll auch unser Denken, Reden und Handeln bestimmt sein nicht von
menschlichen Urteilen, sondern von heilvollen und aufbauenden Gedanken.
Von dem tragenden Wert: nicht richten, sondern retten!
Und da ist jeder von uns gefragt, sich nicht von manch allzu Menschlichem
leiten zu lassen, sondern von den Impulsen, die der Geist Gottes gibt. Wir
hatten uns vorgenommen, die Sommerwochen zu nutzen, um manche Impulse
unserer Stille-Kampagne zu vertiefen. Das wird in einigen Gottesdiensten
geschehen. Ich möchte euch aber ermutigen, auch persönlich in
euren Ferien da einen Akzent zu setzen. Ein inspirierendes Buch zu lesen.
Vielleicht manches neu einzuüben. Und dabei Gott zu begegnen.
Gottes Segen für die Ferienzeit wünscht Euch
Frank Wegen

